Digitalisierung als Herausforderung

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idmredaktion

Digitalisierung als Herausforderung

04 Apr 2021 Comments Closed 134 Views

Die fortschreitende Digitalisierung in der Wirtschaft und an den Arbeitsplätzen stellt Herausforderungen für die berufliche Aus- und Weiterbildung dar. Welche Herausforderungen dies sind, wird im neuen Jahresgutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) nachgegangen. Kürzlich wurde das Gutachten Bundeskanzlerin Angela Merkel virtuell übergeben. Es zeigt unter anderem, wie wichtig die Anpassung von beruflicher Aus- und Weiterbildung an die digitale Transformation ist.

Digitalisierung erfordert Kreativität

„Die Arbeit wird uns auf absehbare Zeit nicht ausgehen. Im Transformationsprozess fallen aber viele etablierte Arbeitsplätze weg, während in anderen Teilen der Wirtschaft neue entstehen“, erklärt Professor Holger Bonin. Er ist Forschungsdirektor am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn. Da die neuen Jobs ganz andere Fähigkeiten verlangten als die bisherigen, entstehe ein großer Bedarf an Weiterbildung. Gleichzeitig gehe der Trend hin zu weniger Routinearbeit. „Damit steigen die Anforderungen an die berufliche Handlungskompetenz von Menschen“, so Bonin.

Zunehmend gebraucht würden deshalb technologische und digitale Fähigkeiten, die zum einen für die Gestaltung von transformativen Technologien notwendig seien, erklärt Professor Till Requate von der Universität Kiel. Benötigt würden aber auch verstärkt sogenannte klassische Kernfähigkeiten: „Problemlösungsfähigkeit, Kreativität, Eigeninitiative, Anpassungsfähigkeit und Durchhaltevermögen“, sagt Requate.

Potenziale der neuen Technologien entfalten

Nach Einschätzung der Expertenkommission sei die Entwicklung dieser Kernfähigkeiten entscheidend, um die individuellen Beschäftigungs- und Karrierechancen in der digitalisierten Arbeitswelt zu sichern, verdeutlicht Requate. „Nur wenn diese Kernfähigkeiten in der Erwerbsbevölkerung ausreichend verfügbar sind, können sich die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Potenziale der neuen Technologien voll entfalten und die Digitalisierung zügig in alle Teile der Wirtschaft vordringen.“ Dies diene ja gerade auch der Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Deswegen sei es der EFI so wichtig, dass das System der beruflichen Aus- und Weiterbildung in Deutschland mit den Veränderungen von Wirtschaft und Arbeitswelt durch die Digitalisierung Schritt halte.

Der Arbeitsmarkexperte Bonin erklärt dazu: „Hierfür müssen Inhalte und Strukturen der beruflichen Aus- und Weiterbildung weiterentwickelt und so gestaltet werden, dass die Kernfähigkeiten für die digitalisierte Arbeitswelt bedarfsgerecht vermittelt werden.“ Den Unternehmen und den im Erwerbsleben stehenden Menschen komme dabei eine tragende Rolle zu. Jedoch brauche es unbedingt auch von öffentlichen Stellen ausgehende Impulse, um die Anpassungsbereitschaft und die Rahmenbedingungen dafür zu stärken.

Fit für die Digitalisierung werden

Die EFI empfiehlt vor diesem Hintergrund eine Reihe von Maßnahmen: Zum einen müsse die Ausbildungsgestaltung an die Digitalisierung angepasst werden. Zum anderen gehe es darum, Lehrer/innen und Ausbilder/innen sowie die den Berufsschulen fit für die Digitalisierung machen. Die berufliche Anpassungsfähigkeit müsse durch flexible Zusatzqualifikationen gestärkt werden. Ein weiterer wichtiger Punkt: Bei der Förderung der beruflichen Weiterbildung schlägt die EFI vor, Brückenlösungen zu entwickeln und zu erproben, die den vom technologischen Wandel betroffenen Beschäftigten frühzeitig den Wechsel zu einem neuen Unternehmen erleichtern. „Die vorhandenen Förderinstrumente sind nämlich stark auf eine Weiterbeschäftigung beim aktuellen Arbeitgeber ausgerichtet, auch wenn der vielleicht nicht die besten Zukunftsperspektiven bietet“, erklärt Bonin. „Sie setzen zudem oft erst ein, wenn es für eine berufliche Neuorientierung eigentlich schon zu spät ist.“

Auch das Monitoring von beruflichen Fähigkeiten müsse ausgebaut werden. Sinnvoll sei zudem, die Strukturen, die bei der Orientierung über berufsbezogene Weiterbildung helfen können, zu verbessern. Arbeitsmarktexperte Bonin betont auch: „Um Interessenkonflikten vorzubeugen, muss man hierbei die Beratung über die individuelle berufsbezogene Weiterbildung organisatorisch strikt von diesbezüglichen Fördermaßnahmen trennen.“ Stellvertretend für das Team der EFI appelliert er an Politik und Wirtschaft: „Wir müssen es schaffen, unser Aus- und Weiterbildungssystem schnell und agil auf die Anforderungen der Digitalisierung auszurichten.“ Die Fachkräftebasis sei ein zentraler Faktor, damit die deutsche Volkswirtschaft schneller und stärker aus der digitalen Transformation hervorgehe. Die Gewinner seien auch die Erwerbstätigen. Denn Qualifizierung bedeutet auch in Zukunft bessere Arbeit und höhere Einkommen.

Brigitta Wenninger

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